Wachet auf, ruft uns die Stimme
Choralvorspiel von Johann Sebastian Bach
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Mehr InformationenHeute ist das gemeinsame Singen der Gemeinde aus dem Gottesdienst nicht mehr wegzudenken. In früheren Zeiten war dies jedoch anders: Zwar existierten schon im Mittelalter volkssprachliche geistliche Lieder, diese spielten aber im Gegensatz zu lateinischen Gesängen – insbesondere den Gregorianischen Chorälen, an denen die breite Bevölkerung mangels Lateinkenntnissen nicht teilnehmen konnte – eine untergeordnete Rolle. Im 16. Jahrhundert führte schließlich der Reformator Martin Luther (1483-1546), der auch die Bibel in die deutsche Sprache übersetzte, den gemeinsamen Gesang deutschsprachiger Lieder als wesentlichen Bestandteil in den Gottesdienst ein. Dafür dichteten und komponierten Luther selbst sowie viele lutherische Geistliche in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Kirchenlieder.
Das Kirchenlied
Das Kirchenlied Wachet auf, ruft uns die Stimme stammt aus der Feder des lutherischen Predigers Philipp Nicolai (1556-1608). Es bezieht sich auf das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (Mt. 25,1-13), in dem das Eintreffen des Bräutigams und die Hochzeit symbolisch für den Tod oder für die Wiederkunft Christi, also für das Eintreten in das Reich Gottes, steht. Dieser Zeitpunkt ist ungewiss, so heißt es am Ende: „Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“ In der Version des evangelischen Gesangbuchs lautet die erste Strophe des Liedes:
„Wachet auf,“ ruft uns die Stimme
der Wächter sehr hoch auf der Zinne,
„wach auf du Stadt Jerusalem.“
Mitternacht heißt diese Stunde;
sie rufen uns mit hellem Munde:
„Wo seid ihr klugen Jungfrauen?
Wohlauf, der Bräutgam kommt,
steht auf, die Lampen nehmt.
Halleluja.
Macht euch bereit zu der Hochzeit,
ihr müsset ihm entgegengehn.“
Kantate und Choralvorspiel
Als Thomaskantor komponierte Johann Sebastian Bach eine große Zahl von Musikwerken, die für den Gottesdienst bestimmt waren: Dazu zählen einerseits über 200 geistliche Kantaten, d.h. mehrsätzige Kompositionen für Gesangssoli, Chor und instrumentales Ensemble, die sich jeweils einem bestimmten theologischen Thema widmen; andererseits zahlreiche Choralvorspiele für Orgel, die jeweils eine Choralmelodie verarbeiten und so die Gemeinde auf den anschließenden Gesang des entsprechenden Kirchenliedes einstimmen sollen. Über das Lied Wachet auf, ruft uns die Stimme von Philipp Nicolai schrieb Bach eine ausgedehnte Kantate in sieben Sätzen mit gleichnamigem Titel (BWV 140). Der zentrale vierte Satz ist ein ungewöhnlich gestalteter Choral: Er besteht aus einer bewegten Streicher-Melodie über einem regelmäßig fortschreitenden Bass; in diesen zweistimmigen Satz fügt die Tenorstimme von Zeit zu Zeit einzelne Zeilen des originalen Kirchenlieds ein. Bach arbeitete diesen Kantatensatz später zu einem Choralvorspiel für die Orgel um (BWV 645).
Eine zeitgenössische ,Re-Komposition‘
Vom biblischen Text über das Kirchenlied bis hin zur Kantate hat das Choralvorspiel Wachet auf, ruft uns die Stimme von Johann Sebastian Bach also eine lange Vorgeschichte, und stellt in diesem Sinn schon für sich genommen „Musik über Musik“ dar. Zugleich wurde es aber auch vielfach weiterverarbeitet und für die unterschiedlichsten Besetzungen arrangiert. Eine besondere Version stammt vom Komponisten Johannes X. Schachtner (*1985): Dieser schrieb 2022 den Zyklus „Bach.Choral.Exerzitien“ für zwei Klaviere und Schlagzeug, dessen sieben Sätze sich auf Choralvorspiele von Bach beziehen, sie jedoch nicht wörtlich transkribieren. Vielmehr handelt es sich um ,Re-Kompositionen‘, in denen das musikalische Material auf kreative Weise umgestaltet wird. Der erste Satz widmet sich Wachet auf, ruft uns die Stimme – hier wird das Choralvorspiel zunächst bis zur Unkenntlichkeit fragmentiert und im Laufe des Stücks erst allmählich zur bekannten Originalversion zusammengesetzt, die wir nun gemeinsam mit Patrick Stapleton und Christian Benning in einem ganz neuen Klanggewand präsentieren:
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