Alléluias sereins d’une âme
qui désiré le ciel

Olivier Messiaens Vertonung der Himmelfahrt Christi

Erfolgreiches Jugendwerk

Für einen aufstrebenden jungen Musiker scheint es ungewöhnlich, sich kompositorisch in „Meditationen“ über geistliche Texte zu versenken – noch dazu im Jahr 1932, in dem der christliche Glaube lange aus dem Fokus des modernen Zeitgeistes geraten war. Nicht so jedoch für den damals 24-jährigen, tief im katholischen Glauben verwurzelten Olivier Messiaen (1908-1992). Dieser hatte gerade die Stelle des Titularorganisten in der Pariser Pfarrkirche La Trinité übernommen, die er für den Rest seines Lebens behalten sollte, als er mit der Komposition von L’Ascension („Die Himmelfahrt“) begann: Quatre méditations symphoniques („Vier symphonische Meditationen“), die jeweils einen bestimmten Aspekt oder ein biblisches Ereignis im Rahmen der Himmelfahrt Christi vertonen. Drei Jahre später wurde das Werk erfolgreich in Paris uraufgeführt; kurz zuvor präsentierte der Komponist bereits eine Bearbeitung für Orgel, die er auf Wunsch seines Verlegers angefertigt hatte. Obwohl L’Ascension heute als Jugendwerk Messiaens gilt, zählt es in beiden Versionen zu seinen beliebtesten Kompositionen.

Melodie eines fröhlichen Hallelujas

Der zweite Satz Alléluias sereins d’une âme qui désire le ciel („Fröhliches Halleluja einer Seele, die nach dem Himmel verlangt“) wird von einer rezitativartigen Melodie eröffnet, die die Holzbläser gemeinsam unisono (d.h. einstimmig) und komplett unbegleitet vortragen. Sie wird im weiteren Verlauf des Stücks zweimal wiederholt und dabei immer energischer von den Streichern harmonisch untermalt. Dazwischen sind Mittelteile eingeschaltet, in denen jeweils das Englischhorn ein zweites Thema anstimmt, bevor sich weitere Holzbläser gegenseitig mit der Fortführung dieser Melodie ablösen, diese beantworten und kommentieren.

Das Hauptthema entnahm Messiaen einer noch früher entstandenen, unveröffentlichten Fantasie für Violine und Klavier. Hier wird deutlich, dass er bereits in seinem Frühwerk mit Skalen abseits der Dur-Moll-Tonalität experimentierte, auf die er in seinem späteren Schaffen regelmäßig zurückgriff. Dabei ließ er sich auch von außereuropäischen, z.B. indischen, Tonsystemen inspirieren.

Zeit oder Stunde

Der Titel des Satzes bezieht sich auf einen Lesungstext zum Fest Christi Himmelfahrt, nämlich das erste Kapitel der Apostelgeschichte. Dieses handelt von dem Erscheinen des nach seinem Tod auferstandenen Jesu auf Erden. In der letzten Zusammenkunft mit seinen Jüngern betont er die Ungewissheit über den Zeitpunkt, zu dem das Reich Gottes auf die Erde herabkommen soll – dies ist eine Parallele zum Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen, und damit zum Kirchenlied Wachet auf, ruft uns die Stimme.

Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen.“ (Apg. 1, 3-9)