Ein musikalisches Feuerwerk

Claude Debussys neuartige Klangsprache

Bereits in seiner Jugend zeigte der Franzose Claude Debussy (1862-1918) große musikalische Begabung und wurde bald am Pariser Konservatorium aufgenommen. Während seiner Ausbildung fiel er durch eine gewisse Originalität und Eigensinnigkeit auf, die sich in herausragenden Interpretationen beim Klavierspiel, aber auch in bewussten Verstößen gegen die Regeln der Harmonielehre im Tonsatz-Unterricht bemerkbar machten. Sein weiterer Werdegang war nicht immer von Erfolg begleitet: Zwar gewann er 1884 mit dem Prix de Rome den damals größten Kompositionspreis in Frankreich, doch schon kurz darauf erhielten seine Werke nur wenig positive Resonanz und wurden stattdessen als unverständlich kritisiert.

Neue Wege

Debussy suchte stets nach Inspiration außerhalb seines musikalischen Umfelds in Paris: Diese fand er zunächst in Richard Wagners Opern und in der russischen Musik der Romantik, aber auch in spanischer Volksmusik. Auf der Pariser Weltausstellung 1889 – für diese wurde u.a. der Eiffelturm erbaut – kam er mit Musik aus asiatischen Kulturräumen in Kontakt, vornehmlich mit Gamelan-Musik von der Insel Java, die ihn besonders faszinierte. Diese Musik beruht auf einem anderen Tonsystem als dem westlich-europäischen, ihre Gesetzmäßigkeiten sind denen der ,klassischen Kadenzharmonik fremd – in den Worten Debussys:

Erinnere dich an die javanische Musik, die alle Nuancen enthielt, selbst solche, die man nicht benennen kann, bei der die Tonika und die Dominante nichts weiter sind als nutzlose Hirngespinste…“

So begann er selbst mit alternativen harmonischen Konzepten, z.B. pentatonischen Skalen, zu experimentieren: Harmonische Verläufe mussten nicht mehr eindeutig in der Dur-Moll-Tonalität verankert sein, Dissonanzen wurden neu definiert und verlangten nicht zwangsläufig nach regelkonformer Auflösung. In einem jahrelangen Prozess integrierte Debussy diese Neuerungen in sein Schaffen und fand zu einer höchst individuellen Klangsprache – gleichzeitig entfernte er sich damit immer weiter von klassisch-romantischen Traditionen. Schlüsselwerke auf diesem Weg sind das Prélude à l’après midi d’une faune („Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns“) und die drei symphonischen Skizzen mit dem Titel La mer („Das Meer“).

Der Impressionismus

Auf das Publikum wirkten Debussys Kompositionen sphärisch und fremdartig. Oft wurden sie mit der impressionistischen Malerei jener Zeit verglichen: Diese rückt die Stimmung eines Kunstwerks in den Fokus, dabei spielen Licht, Schattierungen und eine kreative Farbgebung wichtigere Rollen als eine detailgetreue Darstellung der Realität. Schillernd changierende Farbflächen sind charakteristisch, beispielsweise für die berühmten Seerosen-Darstellungen von Claude Monet, und Debussy schien mit seinen klangflächenartigen Strukturen ein musikalisches Analogon gefunden zu haben.

Wie in der Malerei, so war die Bezeichnung ,impressionistisch auch in der Musik zunächst als Abwertung zu verstehen: Die Werke von Debussy, ebenso wie die seines jüngeren Kollegen Maurice Ravel, wurden als formlose Reihung von Stimmungsbildern missverstanden und auf ihre atmosphärischen Effekte reduziert. Tatsächlich liegt der Grund dieser Verkennung jedoch gerade in der hohen strukturellen Komplexität dieser Musik, aufgrund der sie für das Publikum teilweise schwer zugänglich gewesen sein dürfte.

Feux d’artifice

Wenige Jahre, bevor Debussy das Komponieren wegen schwerer Krankheit fast komplett einstellen musste, entstanden die 24 Préludes für Klavier. Das letzte von ihnen trägt den Titel Feux d’artifice („Feuerwerk“) und ist von energiegeladenen motorischen Spielfiguren geprägt. Sie beginnen leise knisternd in einer engen chromatischen Drehung, nach einer Steigerung weiten sie sich zu den wogenden Arpeggien, die Zimmermann am Beginn des vierten Monologs zitiert. Das signalartige Motiv, das hier erstmals vorgestellt wird, kehrt im weiteren Verlauf des Stücks immer wieder. Je nach Harmonie und Struktur der begleitenden Klangflächen erscheint es dabei in ganz unterschiedlichem Licht.

Hier eine Aufnahme von Feux d’artifice, gespielt von Vincent. Weckt die Musik bei dir ebenfalls Assoziationen mit einem Feuerwerk?

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