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Sempre grazioso

Eine wellenartige Figur im hohen Diskant bei Sekunde 13 ruft die schnellen Skalen in Erinnerung, die im zweiten Teil von Track 20 den aufdringlichen Klangeindruck prägten.

Fast verborgen

Klavier 2 spielt mit der rechten Hand wieder eine Tonleiter auf weißen Tasten, und gleichzeitig mit der linken Hand die Skala bestehend aus den schwarzen Tasten. Beide Hände bewegen sich wieder genau parallel im kleinstmöglichen Abstand – erst kurz aufwärts, dann länger abwärts, dann wieder kurz aufwärts und länger abwärts. Die entscheidenden Unterschiede zur entsprechenden Passage in Track 20 sind die geringere Geschwindigkeit, die extrem leise Dynamik (pppp) und natürlich die kürzere Dauer. Außerdem erklingt die Figur hier im Unterschied zu Track 20 ganz allein, erst gegen Ende setzt Klavier 1 nach einer Pause mit einem spiccato-Tremolo ein. Dennoch scheint die Reminiszenz zwischen den sie umgebenden Aktionen fast verborgen zu liegen. Durch die veränderten Parameter und den neuen Kontext ist sie ganz in die traumhafte Stimmung gerückt, die den gesamten Abschnitt einhüllt.

Fliegende Wechsel

Die entrückte Atmosphäre steht im starken Kontrast zur Klanggewalt des vorigen Teils. Ein langsameres Grundtempo, starke dynamische Reduktion und die Begrenzung des Tonraums auf die Diskantlagen vermitteln den Eindruck von Ruhe und Entspannung. Für die Pianist*innen ist dieser Abschnitt allerdings nicht weniger anspruchsvoll: Schnelle Kaskaden und Arpeggien gehen in fliegenden Wechseln vom einen zum anderen Klavier über, präzise Ablösungen und höchste Klangkontrolle sind hier essentiell.

Gelingt dies, so entfaltet sich eine schillernde Klangfläche, die die jeweils andere Stimme um kleine kapriziöse Figuren ergänzt. Immer wieder findet sich hier die Vortragsbezeichnung grazioso (anmutig) – diese trat in den Monologen schon häufiger auf und bildet einen Gegenpol zu den mit con tutta forza sempre überschriebenen Passagen.

Flexibles Gewebe

Wie nirgends sonst lässt sich hier Zimmermanns Absicht nachvollziehen, „ein flexibles Gewebe von durchsichtiger Zartheit“ zu konstruieren. Im weiteren Verlauf zerfällt dieses Gewebe in einzelne Fragmente, daraufhin nehmen grazile Figuren aus Vorschlägen, großen Sprüngen und raffinierten Rhythmen die zentrale Rolle ein. Sie erinnern an Motive aus dem letzten Abschnitt des vierten Monologs – dort auch schon mit grazioso bezeichnet, aber klanglich offensiver. Besonders außergewöhnlich sind Triller, die sich dynamisch zuspitzen (crescendo), allerdings ins Leere laufen, sowie Tremoli in spiccato-Artikulation, die jeweils das Intervall der kleinen None beschreiben. Diese energiegeladenen Elemente sind mehr als bloße Verzierungen, und deuten bereits darauf hin, dass die spektakuläre ,Kadenz bevorsteht…