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Con tutta forza sempre

Drei grundsätzlich verschiedene Teile heben sich innerhalb dieses Abschnitts voneinander ab.

Mit aller Kraft

Der erste Teil (bis Sekunde 26) ist seriell organisiert und rhythmisch klar strukturiert. Alle Lagen der Klaviere kommen zum Einsatz, vor allem dominieren aber die Bass-Register. In Kombination mit den lang gehaltenen Pedalen, die genau vorgeschrieben sind, baut sich ganz von selbst eine enorme Klangfülle auf. Trotzdem notiert Zimmermann zusätzlich con tutta forza sempre (immer mit aller Kraft) – diese Vortragsbezeichnung gilt als extrem, war in den Monologen aber schon häufiger zu finden und tritt auch in anderen Kompositionen von Zimmermann regelmäßig auf. Das Spielen ganzer Passagen ,mit aller Kraft‘ bzw. ,mit voller Wucht‘ steht im Gegensatz zur sonst geforderten präzisen Kontrolle, die zur Umsetzung der feinen Differenzierungen innerhalb serieller Konstruktionen nötig ist. Offenbar war es Zimmermann wichtig, immer wieder ,vollen Einsatz‘ von den Musiker*innen zu fordern – nicht nur im übertragenen, sondern auch im wörtlichen Sinn!

Cluster und Glissandi

Besonders auffällig sind die schroffen Klänge der zahlreichen Cluster und Glissandi, die hier vor allem im Bass erscheinen. Meistens werden gleich mehrere davon in entgegengesetzte Richtungen aneinandergereiht, sodass sich wellenartige Bewegungen über die Tastatur ergeben. Oft beginnen die beiden Stimmen auf einem gemeinsamen Ton, entfernen sich voneinander und finden schließlich wieder zusammen. Ein außergewöhnliches Klanggebilde entsteht ab Sekunde 16, wenn beide Parts mehrere Glissandi in Gegenbewegung zueinander ausführen, bevor die Linien in einem gemeinsamen Cluster-ähnlichen Akkord kulminieren.

Cluster und Glissandi sind eng verwandte Erscheinungen – vor allem hier, wo die Glissandi in den tiefen Lagen durch Pedaleinsatz und gegenseitige Überlagerungen ähnlich dichte und dissonante Klänge erzeugen wie breite Cluster. Letztere wiederum tragen in Zimmermanns Schaffen vielschichtige Bedeutung: Zunächst waren Cluster für ihn das „Ergebnis der allmählichen Komprimierung vielfacher Klangfarbenschichtungen“; in seinen seriellen Kompositionen führte er sie dann aber „durch Übereinanderschichtung eines Zwölftonakkords auf engstem Raum“ ein, „und zwar sowohl innerhalb der Konsequenz ihrer eigentlichen Kompositionstechnik als auch gleichzeitig als äußersten Protest: gewissermaßen in Form eines Anti-Akkords“. So könnten die zahlreichen Cluster hier Zimmermanns Absicht belegen, in den Monologen „das Serielle zu überwinden“.

Unerbittliche Aufdringlichkeit

Mit Sekunde 27 beginnt ein neuer Abschnitt, der sich durch äußerste Rasanz und unerbittliche Aufdringlichkeit auszeichnet. Der Tonraum ist nun auf die Diskantlagen der beiden Klaviere begrenzt, die Häufung von scharfen Dissonanzen führt zu einem schrillen, geradezu aggressiven Klang. Klavier 2 spielt dabei eine maßgebliche Rolle, denn hier werden schnelle Tonleitern auf weißen Tasten in der rechten Hand mit Skalen nur aus schwarzen Tasten in der linken Hand kombiniert. Diese verlaufen in Wellenbewegungen auf- und abwärts, immer streng parallel im kleinstmöglichen Abstand: Dabei ergeben sich durchweg kleine Sekunden, die eine extrem dissonante Klangfläche bilden.

Klavier 1 spielt währenddessen dreimal hintereinander das gleiche Motiv, das aus mehreren kleinen, chromatisch kreisenden Figuren zusammengesetzt ist. Diese überlagern sich gegenseitig, erzeugen ebenfalls scharfe Dissonanzen, fügen sich aber auch zu einem Kontinuum gleichmäßiger Sechzehntelnoten zusammen. So ist der Rhythmus in beiden Stimmen gleichmäßig und monoton – zusammen mit der Anweisung, beide Stimmen durchweg martellatissimo (heftigst gehämmert) zu artikulieren, trägt dies zum Eindruck von größter Penetranz bei. Im Unterschied zur vorigen Passage wünscht Zimmermann hier keinen Pedalgebrauch, dieser könnte nämlich das Klangbild verschleiern und die scharfe Artikulation aufweichen. Und als wäre das alles noch nicht genug, notiert er wieder in beiden Stimmen: sempre con tutta forza.

Eine Meditation

So plötzlich wie die Passage begonnen hat, so abrupt bricht sie auch wieder ab, und der dritte und letzte Teil des Abschnitts beginnt. Dieser besteht aus einem einzigen Takt und bildet einen Kontrast zu den klanggewaltigen Passagen zuvor: Der Fokus liegt hier auf einzelnen Tönen bzw. kleinen Clustern; Dynamik und Artikulation sind nun wieder von Ton zu Ton differenziert und insgesamt stark zurückgenommen. Ausgehaltene Klänge in der Mittellage, die im Verlauf immer leiser werden, erzeugen eine meditative Atmosphäre. Sie schärft die Sinne für den kommenden Abschnitt, dort werden wir in eine ganz andere Klangwelt eintauchen…