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Hommage à …
Die abwärts fließende Kaskade kennen wir bereits vom Beginn des vierten Monologs, wo ein längerer Abschnitt aus dem Prélude Feux d’artifice von Claude Debussy verarbeitet wurde.
Anders als bei allen vorangegangenen Zitaten verweist Zimmermann hier nicht auf den Urheber. Dies liegt sicherlich an der Kürze und auch am Verweis auf Debussy wenige Seiten zuvor (Track 11). Allerdings unterscheidet sich dieses Zitat auch im Hinblick auf die musikalische Verflechtung mit Zimmermanns ,eigener‘ Komposition: Während Zitate bisher zu Collagen kombiniert wurden und an prominenten Zeitpunkten – z.B. nach Generalpausen – separiert von selbst komponiertem Material auftraten, passt sich der hier zitierte ,Fetzen‘ perfekt in den musikalischen Kontext ein.
Ein musikalisches Vorbild
Zimmermann entwickelt sogar die klangliche Idee aus Feux d’artifice in den folgenden Takten weiter: In Klavier 1 entfalten sich schnelle wellenförmige Kaskaden, die den Arpeggio-Klangflächen aus Debussys Prélude ähneln. Währenddessen knüpfen die kapriziösen Figuren in Klavier 2 an den vorigen Abschnitt an. Zwischen diesen Figuren erklingen einige zart arpeggierte Unterarm-Cluster. Diese sind ausnahmsweise nicht chromatisch, sondern stellen schwarze und weiße Tasten einander als komplementäre Skalen gegenüber. Die dabei entstehenden Klänge erinnern ebenfalls an Debussys Musik. So wird insgesamt deutlich, wie sehr sich Zimmermanns besondere Verehrung des französischen Komponisten konkret in seiner eigenen Arbeit niederschlägt. Offenbar waren ihm die Ähnlichkeiten im Hinblick auf die Satztechnik und die angestrebten Klangideale bewusst: Er selbst gab den Monologen den Untertitel Hommage à Claude Debussy.
Aus dem Moment heraus
Trotz des unterschiedlichen Materials, das die beiden Klaviere präsentieren, entwickeln sich beide Stimmen dynamisch parallel und steigern sich im Laufe der Zeit bis ins fortissimo. Eine solche Entwicklung setzt immer einen musikalischen Dialog voraus, in dem beide Pianist*innen aktiv auf ihr Gegenüber reagieren, und auch die spezifischen Gegebenheiten der jeweiligen Konstellation aus der Raumakustik einerseits und den klanglichen Möglichkeiten der Instrumente andererseits in die Interpretation miteinbeziehen. Das Zusammenspiel entsteht so immer wieder neu aus dem Moment heraus – ein spannender Prozess und eine Facette des Klavierduo-Spiels, die wir sehr schätzen!
Eine persönliche Assoziation
Schließlich enden die Kaskaden in Klavier 1 und beide Pianist*innen wechseln sich mit kapriziösen Figuren ab, die hochvirtuos sind und über eine extreme dynamische Bandbreite variieren. Dabei übergeben sich die beiden Stimmen das Wort meist postwendend mit einem gemeinsamen Schluss- bzw. Eröffnungsakkord. Die dafür erforderliche Präzision des Zusammenspiels ist in Verbindung mit den großen Sprüngen und der lebendigen staccato-Artikulation äußerst anspruchsvoll zu realisieren. Gleichzeitig erwecken diese Klänge bei uns starke Assoziationen: Kannst du hören, wie plötzlich Vogelgezwitscher die Luft erfüllt?



