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Ein pluralistischer Klang
Die Klangfläche besteht aus leisen, gleichmäßigen Ketten von chromatischen Clustern.
Zunächst aber eröffnet das erste Klavier den Abschnitt mit einem Soloteil, das eine Überleitung nach der vorangegangenen Zitatpassage (Track 11) bildet. Er ist einstimmig und setzt sich aus schnellen, kapriziösen Figuren zusammen, die im weiteren Verlauf des vierten Monologs noch häufiger auftreten werden. Am Ende verdichtet sich das Solo zu einer schnellen Impulskette aus Einzeltönen und Sekunden, und bereitet damit ein anderes musikalisches Phänomen vor, das im Folgenden eine wichtige Rolle spielt: Die Klangfläche.
Wabernder Klangnebel
Nach einer Zäsur beginnt der zarte Klangteppich, sich zu entfalten. Zunächst besteht er aus Sekund-Intervallen, der kleinsten Form des Clusters, die nach und nach zu immer größeren chromatischen, clusterähnlichen Akkorden heranwachsen. Eine zweite Stimme ergänzt kürzere Clusterketten, die rhythmisch versetzt zur Hauptkette gespielt werden. So ergibt sich bereits ein komplexes Klangbild, das den Eindruck eines wabernden Klangnebels vermittelt. Hinzu treten zwei weitere Stimmen, die jeweils an die kapriziösen Figuren des vorangegangenen Solos anknüpfen und mal mehr, mal weniger mit der Klangfläche verschmelzen. Die Abwesenheit metrischer Orientierungspunkte verstärkt den gespenstisch schwebenden Klangeffekt, der auch explizit von Zimmermann gewünscht ist: Misterioso e quasi di lontano (geheimnisvoll und wie aus der Ferne).
Eng miteinander verwoben
Dann wechseln sich die Rollen der beiden Klaviere ab: Zuerst bildet das zweite Klavier mit beidhändigen Cluster-Figuren die Klangfläche, über die sich das erste Klavier solistisch mit kurzen, eruptiven Ausbrüchen erhebt, dann andersherum. So sind die beiden Stimmen eng miteinander verwoben und erzeugen gemeinsam verschiedene musikalische Ebenen, die zusammen ein äußerst faszinierendes Klanggebilde ergeben. Dieses mündet schließlich in ein kurzes, perkussives Bass-Solo des zweiten Klaviers, das zu einem lautstarken Dialog der beiden Klaviere überleitet: Hier imitieren die beiden Stimmen gegenseitig ihre gewalttätig vorgetragenen Motive.
Ständig wechselnd in Dichte und Kontinuität
Insgesamt erzeugt dieser Abschnitt durch klangliche Verdichtung und dynamische Steigerung den Eindruck einer kontinuierlichen Entwicklung – ein Gegensatz zu den meisten anderen Passagen in den Monologen, die sich eher aus kleinen, miteinander kontrastierenden, aber in sich statischen Segmenten zusammensetzen. Dieser Eindruck ist hier das Ergebnis einer Überlagerung mehrerer verschiedenartiger Schichten, eine Konstruktion, die den Dialogen für zwei Klaviere und großes Orchester entnommen ist. Dort beschreibt Zimmermann das Resultat als „pluralistische[n] Klang, ständig wechselnd in Dichte und Kontinuität; ein flexibles Gewebe von durchsichtiger Zartheit ebenso wie von stählerner Festigkeit“.
Entsprechend komplex gestaltet sich auch das Zusammenspiel der zwei Pianist*innen in den Monologen, die alle verschiedenen Schichten und gegenseitigen Ablösungen parallel verfolgen müssen. Nicht einfacher wird es dadurch, dass keine Hierarchie unter den Stimmen existiert – ganz im Sinne des pluralistischen Konzepts.

