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Träume durchhallt von…

In der Partitur wird von Zimmermann mehrfach explizit ein glockenartiger Klang verlangt – italienisch quasi campane (wie Glocken zu spielen).

Glocken in den Dialogen

Neben großen Glocken (campane) wird auch die Nachahmung von kleinen Glöckchen (campanelli) und Kuhglocken (campanacci) gewünscht. Diese Differenzierung gibt einen Hinweis auf die besondere Entstehungsgeschichte des Werks: Zimmermann schrieb die Monologe nicht von Grund auf neu, sondern auf Basis der Dialoge, einem Konzert für zwei Klaviere und großes Orchester. Mit den Dialogen hatte er wenige Jahre zuvor neue kompositionstechnische Verfahren entwickelt und musikalische Ausdrucksformen gefunden, deshalb lagen sie ihm ganz besonders am Herzen. Zimmermann selbst charakterisierte sie als „Dialoge über die Zeiten hinweg von Träumenden, Liebenden, Leidenden und Betenden, Träume durchhallt von Glockenschlägen und dem Gedröhn von Düsenmotoren, Träume wachen Auges und versunkenen Ohres geträumt, Ahnungen von Unwiderbringlichem…“. Die hier erwähnten Glockenschläge werden in den Dialogen explizit durch verschiedenartige Glocken realisiert, die Teil der extrem großen Schlagwerk-Besetzung sind.

Eine Neuauflage

Da sich bei der Uraufführung jedoch herausstellte, dass die Dialoge die Musiker*innen des Orchesters mit unmöglich erscheinenden Anforderungen konfrontierten, wurden sie zunächst von den Spielplänen gestrichen, und Zimmermann plante ein Arrangement des Werks für zwei Klaviere allein – die beiden Solisten der Uraufführung, Aloys und Alfons Kontarsky, waren nämlich mit dem Komponisten eng vertraut und den großen Schwierigkeiten seiner Kompositionen durchaus gewachsen.

Letztendlich entstand allerdings keine reine Bearbeitung. Zimmermann befasste sich erneut lange Zeit mit dem musikalischen Material der Dialoge, restrukturierte es, ergänzte neu komponierte Passagen und strich andere ersatzlos aus dem Original. So entstand mit den Monologen ein eigenständiges Werk, das keine Orchesterbegleitung vermissen lässt. Die Glockenschläge aus den Dialogen beispielsweise wurden in den Monologen auf die beiden Klaviere übertragen und dort entsprechend gekennzeichnet.

Serielle Organisation

Zimmermann komponierte die Dialoge – und damit auch die Monologe – auf Basis serieller Techniken, d.h. auf Grundlage von vorab festgelegten Reihen. Der erste Monolog beginnt mit der Vorstellung eines begrenzten Vorrats an ausgewählten Tönen, zunächst metrisch frei und einstimmig in der Mittellage zwischen einzelnen Akzenttönen in den Außenlagen der Klaviere. Bald dehnt sich der Satz über alle Register aus, nimmt rhythmische Konturen an und verdichtet sich durch das Hinzutreten mehrerer Klangschichten zu einem komplexen Gefüge. Der Tonvorrat konzentriert sich dabei auf zwei sogenannte Allintervall-Akkorde, die alle zwölf Töne der chromatischen Skala enthalten und auch jedes der elf Intervalle, die kleiner als eine Oktave sind. Diese Akkorde überspannen fast die gesamte Klaviatur und basieren auf der Zwölftonreihe, die dem gesamten Werk zugrunde liegt.